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Der kranke Musiker

Eduard Ritter, Der kranke Musiker, 1847, Öl auf Holz, 49 x 60 cm, Belvedere, Wien, Inv.-Nr. 363 ...
Der kranke Musiker
Eduard Ritter, Der kranke Musiker, 1847, Öl auf Holz, 49 x 60 cm, Belvedere, Wien, Inv.-Nr. 3632
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  • Datierung1847
  • Künstler*in (1808 Wien – 1853 Wien)
  • ObjektartGemälde
  • Material/TechnikÖl auf Holz
  • Maße
    48,5 x 60 cm
  • SignaturSign. und dat. rechts unten: E. Ritter 1847
  • Inventarnummer3632
  • Standort Derzeit nicht ausgestellt
  • Ein verlottertes Künstlerzimmer: der Musiker krank im Bett, das Waldhorn im Arm, an der Wand über ihm das Bild eines Klaviervirtuosen, das Nachtkästchen voller Medizin, auf einem Schemel stapelweise Noten, dazu eine Geige. Dennoch wird Besuch empfangen, mit leidender Miene, versteht sich. Es dürfte sich um Bewunderer handeln, vielleicht die Eltern des Musikers. Zwei Kinder schauen zu ihnen auf, das Mädchen könnte die Krankenszene nachspielen. Zu wem die Kinder gehören, bleibt offen. Ritter war ein Meister in der Darstellung humoristischer Szenen aus dem Künstlerleben. Seine Vorbilder waren niederländische Gemälde des 17. Jahrhunderts, die er aus der Gemäldegalerie der Wiener Akademie kannte.

  • Eduard Ritter und seine Liebe zum Detail


    Katharina Lovecky ORCID logo


     


    Der Maler und Grafiker Eduard Ritter, der zur Epoche des Wiener Biedermeier zählt, war vor allem auf Genrebilder und Porträts spezialisiert. 1830 debütierte er in den Jahresausstellungen der Akademie der bildenden Künste mit einem Selbstporträt.[1] Besonders in seinen Bildnissen zeigt sich Ritters malerisches Talent: Gekonnt setzte der Künstler die Porträtierten in Szene und lässt sie besonders lebensnah wirken. Ritters Genrebilder, humorvolle Schilderungen des bürgerlichen und bäuerlichen Lebens, fanden beim kaiserlichen Hof Anklang. Vier Gemälde waren im Besitz von Erzherzog Franz Carl. Dieser bot Ritter eine Stelle als Kammermaler an, die der Künstler allerdings ablehnte, da sie unbesoldet gewesen wäre.[2] Sein Gemälde Der kranke Musiker, das der Maler 1847 auf der Jahresausstellung der Akademie präsentierte, wurde für die kaiserliche Gemäldegalerie angekauft und gehört auch heute noch zum Bestand des Belvedere. In diesem Essay soll das Genrebild im Kontext der Wiener Theatergeschichte näher beleuchtet sowie Ritters Beziehung zum Maler Josef Danhauser erläutert werden.


    Auf den ersten Blick wirkt Eduard Ritters Gemälde Der kranke Musiker wie eine zeitlose Genreszene aus der Epoche des Biedermeier. Wir blicken in das Schlafzimmer eines bettlägerigen Hornisten. Leidend greift er sich an die Brust, während er Besuch empfängt. Die Frau des Musikers betritt gemeinsam mit zwei Herren gerade den Raum. Wahrscheinlich sind es Kollegen aus dem Theater, die ihr Bedauern über den Zustand des Kranken ausdrücken. Am Fußende des Bettes wurden die beiden Kinder des Paares im Spiel unterbrochen und blicken nun erwartungsvoll auf den Besuch. Wie bei vielen von Ritters Genrebildern ist auch hier der Überreichtum an Requisiten auffällig sowie seine Lust am Erzählerischen, das mitunter ins Deskriptive gleitet. Diverse Medizinfläschchen stehen neben dem Bett. Nicht nur das Horn im Arm des Kranken, auch eine Violine auf einem Notenstapel verweist auf den Beruf des Dargestellten. Ein kleines Detail an der spanischen Wand rechts neben dem im Bett liegenden Hornisten dokumentiert den aktuellen Bezug, den der Maler in seinem Werk herstellen wollte: Ein Theaterzettel ist hier angebracht. „Vielka“ und „Lind“ ist darauf zu lesen (Abb. 1). Vielka – eine Oper von Giacomo Meyerbeer, die auf sein Singspiel Ein Feldlager in Schlesien zurückgeht – feierte in der Bearbeitung von Ludwig Rellstab und Charlotte Birch-Pfeiffer am 18. Februar 1847 im Theater an der Wien mit großem Erfolg Premiere.[3] Theaterdirektor Franz Pokorny benötigte einen Erfolgsschlager, um sein Haus finanziell zu sanieren. Er hatte gehofft, mit der Adaptierung des Librettos den triumphalen Erfolg der Uraufführung von 1844 – anlässlich der Wiedereröffnung des Berliner Opernhauses nach einem Brand – in Wien zu wiederholen.[4] Das ursprüngliche Werk glorifiziert den preußischen König Friedrich II. Dieser versteckt sich bei einem Hauptmann außer Dienst, um im Feldzug gegen Österreich einer Gefangennahme durch ungarische Soldaten zu entgehen. Vielka, eine Romni und Ziehtochter des Hauptmanns, hilft dem König bei der Flucht und rettet ihm so das Leben. In der Wiener Adaption wird aus dem preußischen König ein Herzog und während die Berliner Version fröhlich endet, muss Vielka in der Umarbeitung des Stücks auf tragische Weise sterben. Ritters Gemälde entstand im Jahr der Premiere von Vielka im Theater an der Wien. Das verstärkt den zeithistorischen Aspekt, den der Künstler hier mit dem Theaterzettel in das Bild einbrachte. In der Titelrolle war die äußerst populäre und in ganz Europa berühmte schwedische Sopranistin Jenny Lind zu sehen, die gemeinsam mit Meyerbeer für das Wiener Opernhaus verpflichtet worden war. Anscheinend versäumt der kranke Hornist an diesem Abend seinen Einsatz im Theater an der Wien und verpasst so auch den Auftritt des Opernstars Jenny Lind.


    Über dem Bett des Kranken hängt das Porträt eines Pianisten. Es ist ein Ausschnitt aus Josef Danhausers Gemälde Franz Liszt am Flügel phantasierend (1840) (Abb. 2).[5] Dieses Detail verweist unter anderen darauf, dass Danhauser den Künstler besonders stark geprägt haben dürfte. Die Menschen im Bild in ihren Gefühlsregungen darzustellen und mitunter zu entlarven, war Danhausers bevorzugtes Mittel, um Spannung im Gemälde aufzubauen – etwa in der Testamentseröffnung (1839) (Abb. 3), wo die Reaktionen der Dargestellten auf die Verlesung des Testaments im Zentrum stehen. Ritter orientiert sich daran und charakterisiert seine Protagonist*innen allerdings so manieriert, dass sie beinahe wie Karikaturen wirken. Auch im Bildarrangement und in der Raumauffassung ist Danhausers Einfluss spürbar, was Ludwig Hevesi dazu führte, den Künstler als „eine Art Schüler oder doch begabte[n] Nachempfinder [Danhausers]“ zu bezeichnen.[6] Danhauser fügte in einige seiner Werke stilllebenartige Arrangements ein, etwa die achtlos verstreuten Gegenstände und Papiere der Verlassenschaft in der Testamentseröffnung, um die Bilderzählung zu vertiefen. Diese Liebe zum erzählerischen Detail teilte auch Ritter, wie die zahlreichen dargestellten Requisiten – das Spielzeug der Kinder, die Schreibutensilien am Sekretär, die Medikamente am Nachttisch – zeigen. Doch die inhaltliche Pointierung seines Vorbilds fehlt hier. Zwischen Ritter und Danhauser dürfte ein freundschaftliches Verhältnis geherrscht haben: Den Todestag Danhausers am 4. Mai 1845 vermerkte Ritter in seinen tagebuchartigen Aufzeichnungen mit einem Eintrag, der seine Bewunderung für den Malerkollegen erkennen lässt: „Im Jahre 1845. Den 4ten May starb mein unvergeßlicher Freund Jos. DANHAUSER Wiens 1ter Hist. u. Gènre Maler 39 Jahre alt am Typhus.“[7] Aus der Verlassenschaft des Malers kaufte er einen weißen Sessel, den er mit grünem Stoff überziehen ließ.[8] Diesen Stuhl und weitere Möbelstücke aus der Produktion der Danhauserʼschen Möbelfabrik, deren Leitung Josef Danhauser gemeinsam mit seinem Bruder Franz von 1829 bis 1839 oblag, baute Eduard Ritter immer wieder in seine Gemälde ein: Der grüne Sessel ist rechts neben dem Kachelofen in der Darstellung seines Ateliers zu sehen (1851) (Abb. 4) (Abb. 5). Danhauser selbst ließ auf dem Gemälde Die Gratulation (1842) (Abb. 6) einen nachdenklichen Herrn am rechten Bildrand auf demselben Modell sitzen. Der umgestürzte Sessel links im Vordergrund in Der Deklamator (1840) (Abb. 7) lässt sich ebenfalls der Danhauserʼschen Produktion zuordnen (Abb. 8).


    Eduard Ritters Gemälde ist ein hervorragendes Beispiel für die Liebe zum Detail und zu Aktualitätsbezügen, die charakteristisch für die Werke der Künstler*innen der Biedermeierzeit sind. Der Maler hielt fest, was ihn umgab – sei es mit einem fast tagesaktuellen Hinweis auf eine Theaterproduktion oder durch das Einflechten von Designs seines Freundes Josef Danhauser. Eduard Ritter sollte sein künstlerisches Vorbild Danhauser nur um acht Jahre überleben. Ein Sturz im Alter von zwei Jahren und die daraufhin durchgeführte Operation mit vier Jahren hatten zu einer Beinverkürzung und einem chronischen Fußleiden geführt.[9] Gegen seine dadurch verursachten Knochenschmerzen nahm der Künstler ab 1848 Opium ein. Durch den stetig steigenden Gebrauch des Mittels verschlechterte sich sein gesundheitlicher Zustand zunehmend. Am 5. September 1853 starb Eduard Ritter an „Entkräftung“, wie es im Sterbebuch der Pfarre St. Karl Borromäus heißt.[10] Seine sterblichen Überreste wurden am Matzleinsdorfer Friedhof begraben.[11]


     


    Anmerkungen


    „Portrait des Mahlers Ed. Ritter von ihm selbst gemahlt“, in: Kunstwerke, öffentlich ausgestellt im Gebäude der österreichisch=kaiserlichen Akademie der bildenden Künste bey St. Anna, Wien 1830, Kat.-Nr. 235. Das Werk ist verschollen. Es existiert eine Kopie nach dem Gemälde in Privatbesitz.

    Eintrag am 26.5.1839, in: Eduard Ritter. Biographische Skizze meines Lebens, hg. von Marc-Oliver Schuster (in Vorbereitung).

    Zur Entstehung der Oper Vielka siehe: Sigrid Wiesmann, „,Der Sühnung Werk, Es ist vollbracht.‘ Bemerkungen zu Meyerbeers Vielka“, in: Sieghart Döhring / Arnold Jacobshagen (Hg.), Meyerbeer und das europäische Musiktheater, Thurnauer Schriften zum Musiktheater, hg. v. Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth, Bd. 16, Laaber 1998, S. 121–126.

    Ebenda, S. 121.

    Sabine Grabner, „Eduard Ritter. Der kranke Musiker“, in: Gerbert Frodl / Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Wiener Biedermeier. Malerei zwischen Wiener Kongreß und Revolution (Ausst.-Kat. Kunstforum der Bank Austria, Wien), München 1993, Kat.-Nr. 171.

    Ludwig Hevesi, Geschichte der modernen Kunst II, Österreichische Kunst im 19. Jahrhundert, Erster Teil: 18001848, Leipzig 1903, S. 66.

    Eintrag am 4.5.1845, in: Biographische Skizze (wie Anm. 2).

    „Freund Sagarts hat meinen Armsessel auf dem ich beständig arbeite mit grün gestreiften Zeug u. grauen Grund neu tapezirt, dann auch die 6 rothen Sessel mit demselben Stoffe; und mein weißen Sessel welchen ich aus Danhauser’s Verlaßenschaft kaufte ebenfalls den Sitz mit grünen Zeug überzogen.“ (Eintrag vom 12.10.1850, in: Biographische Skizze [wie Anm. 2], S. 106).

    Biographische Skizze (wie Anm. 2). – Handschriftliche Selbstbiografie für Siegmund Bermann, Wienbibliothek im Rathaus, Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 48233.

    Sterbebuch, Wien, St. Karl Borromäus, 1851–1859, Sign. 03-10, fol. 73.

    Ebenda.


    Abbildungen

    Eduard Ritter, Der Deklamator, 1840, Öl auf Holz, 58 × 73,5 cm, Privatbesitz; Foto: Belvedere, Wien
    • 1847 Ankauf Akademieausstellung für Kaiserliche Gemäldegalerie
    • 1921 Übernahme aus dem Kunsthistorischen Museum, Wien. – 1939 Inventarisierung

    Ausstellungen des Belvedere

    Weitere Ausstellungen

    • Bürgersinn und Aufbegehren. Biedermeier und Vormärz in Wien 1815–1848, Historisches Museum der Stadt Wien, 17.12.1987–12.6.1988.
    • Bilder des Lebens. Johann Baptist Reiter und der Realismus des 19. Jahrhunderts, Museum Francisco Carolinum, Linz 22.5.1990–19.8.1990, Schloss Grafenegg, 1.9.1990–28.10.1990.
    • Interieurs. Wiener Künstlerwohnungen 1830–1930, Historisches Museum der Stadt Wien, 1.11.1990–20.1.1991.
    • Wiener Biedermeier. Malerei zwischen Wiener Kongreß und Revolution, Kunstforum der Bank Austria, Wien 31.3.1993–27.6.1993.
    • Literatur: Grabner, Sabine: Eduard Ritter. Der kranke Musiker, in: Wiener Biedermeier. Malerei zwischen Wiener Kongreß und Revolution, hrsg. v. Gerbert Frodl / Klaus Albrecht Schröder, Ausst. Kat. Kunstforum der Bank Austria, Wien 31.3.1993–27.6.1993, Wien 1993, Kat. Nr. 171
    • Ist das Biedermeier? Amerling, Waldmüller und mehr, hrsg. v. Sabine Grabner / Agnes Husslein-Arco, Ausst. Kat. Belvedere, Wien 21.10.2016–12.2.2017, Wien 2016, S. 136–138